
Mobbing ist ein Thema, das Schulen nicht nur in einzelnen Unterrichtsstunden beschäftigen sollte. Wiederholte Ausgrenzung, Beleidigungen, Gerüchte oder Angriffe in sozialen Netzwerken können das Klassenklima erheblich belasten. Deshalb sind langfristig angelegte Projekte zur Mobbingprävention ein wichtiger Bestandteil einer positiven Schulkultur.
Auch die Kultusministerkonferenz führt Mobbingprävention und soziales Lernen als wichtige Bereiche schulischer Gesundheitsförderung und Prävention auf.
Für das Jahr 2026 bieten sich zahlreiche kreative und pädagogisch unterschiedliche Projektideen an. Wichtig ist dabei, Schülerinnen und Schüler aktiv einzubeziehen und nicht ausschließlich über Mobbing zu sprechen.
1. Klassenvertrag gegen Mobbing
Eine einfache und gleichzeitig wirkungsvolle Projektidee ist die gemeinsame Entwicklung eines Klassenvertrags.
Die Schülerinnen und Schüler sammeln zunächst Regeln für einen respektvollen Umgang. Anschließend werden daraus konkrete Vereinbarungen formuliert, beispielsweise:
- Wir beleidigen niemanden.
- Wir lachen niemanden wegen Aussehen, Herkunft oder Interessen aus.
- Wir greifen ein, wenn jemand ausgeschlossen wird.
- Wir verbreiten keine privaten Bilder oder Nachrichten.
- Wir holen Hilfe, wenn eine Situation allein nicht gelöst werden kann.
- Wir respektieren persönliche Grenzen.
Der fertige Klassenvertrag kann gemeinsam gestaltet und im Klassenraum aufgehängt werden. Entscheidend ist, dass die Regeln nicht einfach von Lehrkräften vorgegeben werden, sondern gemeinsam mit der Klasse entstehen.
Die Bundeszentrale für politische Bildung empfiehlt unter anderem verbindliche Verhaltensregeln und Klassenverträge als mögliche Bausteine der Mobbingprävention.
2. Rollenspiele: Was würdest du tun?
Rollenspiele ermöglichen es Schülerinnen und Schülern, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Kleine Gruppen erhalten dafür Alltagssituationen, zum Beispiel:
- Ein Schüler wird in der Pause regelmäßig ausgeschlossen.
- Eine Schülerin wird wegen ihrer Kleidung verspottet.
- In einer Klassenchatgruppe wird ein peinliches Foto verbreitet.
- Ein Mitschüler wird immer wieder mit einem beleidigenden Spitznamen angesprochen.
- Eine Gruppe beobachtet eine Ausgrenzung, greift aber nicht ein.
Nach jeder Szene wird gemeinsam besprochen: Was ist passiert? Wie könnten sich die beteiligten Personen fühlen? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es für Beobachterinnen und Beobachter?
Ein solches Rollenspiel sollte nicht dazu führen, dass reale Mobbingfälle nachgespielt oder betroffene Kinder unfreiwillig in eine bestimmte Rolle gedrängt werden.
3. Anti-Mobbing-Woche
Eine ganze Projektwoche kann verschiedene Aspekte des Themas miteinander verbinden.
Möglicher Wochenplan
| Tag | Thema | Projektidee |
|---|---|---|
| Montag | Mobbing erkennen | Workshop und Fallbeispiele |
| Dienstag | Respekt | Übungen zu Kommunikation und Grenzen |
| Mittwoch | Cybermobbing | Social Media, Chats und digitale Verantwortung |
| Donnerstag | Zivilcourage | Rollenspiele und Handlungsmöglichkeiten |
| Freitag | Gemeinsam stark | Präsentationen, Plakate und Klassenaktionen |
Die einzelnen Tage können von verschiedenen Fächern begleitet werden. Deutsch eignet sich beispielsweise für Texte und Rollenspiele, Kunst für Plakate und Mediengestaltung und Informatik für Cybermobbing und Datenschutz.
4. Projekt „Schau nicht weg“
Bei Mobbing spielt nicht nur die betroffene Person und die mobbende Gruppe eine Rolle. Auch Zuschauerinnen und Zuschauer können Situationen beeinflussen.
Das Projekt „Schau nicht weg“ kann deshalb den Schwerpunkt auf Zivilcourage legen. Die Klasse sammelt konkrete Möglichkeiten, wie Mitschülerinnen und Mitschüler reagieren können, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Unterstützung anbieten
- eine Lehrkraft informieren
- andere Mitschüler einbeziehen
- eine betroffene Person nicht allein lassen
- verletzende Beiträge nicht weiterverbreiten
- in digitalen Gruppen klare Grenzen setzen
Ziel ist nicht, Schülerinnen und Schüler für die Lösung ernster Mobbingfälle allein verantwortlich zu machen. Bei konkreten Fällen müssen Erwachsene und schulische Ansprechpersonen einbezogen werden.
5. Kreativprojekt: Anti-Mobbing-Plakate
Eine kreative Aktion kann das Thema dauerhaft im Schulgebäude sichtbar machen.
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln eigene Plakate mit Aussagen zu Respekt, Zusammenhalt, Zivilcourage und digitalem Verhalten. Möglich sind auch Comics, kurze Slogans oder kleine Illustrationen.
Besonders interessant ist eine Ausstellung unter dem Titel „Unsere Schule – unser Umgang miteinander“. Die besten Arbeiten müssen dabei nicht unbedingt prämiert werden. Statt eines Wettbewerbs kann die Ausstellung den Gemeinschaftsgedanken in den Vordergrund stellen.
Ein Praxisbeispiel aus dem Jahr 2026 zeigt, wie eine Schule Film, Diskussionen, Rollenspiele und selbst gestaltete Flyer miteinander verbunden hat.
6. Cybermobbing-Workshop
Mobbing endet nicht automatisch mit dem Schulschluss. Beleidigungen, Ausgrenzung und die Verbreitung problematischer Inhalte können über Messenger und soziale Netzwerke fortgesetzt werden.
Ein Cybermobbing-Projekt kann deshalb folgende Fragen behandeln:
- Was ist Cybermobbing?
- Warum können Posts und Nachrichten besonders problematisch sein?
- Was sollte man mit beleidigenden Nachrichten machen?
- Wann sollte man Screenshots sichern?
- Wem kann man sich anvertrauen?
- Wie kann man betroffene Mitschüler unterstützen?
- Welche Rolle spielen Datenschutz und Privatsphäre?
Auch die „Nummer gegen Kummer“ weist ausdrücklich auf Mobbing im Internet und in der Schule als mögliche Beratungsthemen hin.
7. „Eine Woche ohne Ausgrenzung“
Bei diesem Projekt erhält die Klasse jeden Tag eine kleine soziale Aufgabe.
Beispiele:
Montag: Jemandem ein ehrliches Kompliment machen.
Dienstag: Eine Person einbeziehen, die häufig allein ist.
Mittwoch: In einem Gespräch bewusst zuhören und nicht unterbrechen.
Donnerstag: Eine Situation erkennen, in der jemand Unterstützung gebrauchen könnte.
Freitag: Gemeinsam überlegen, was sich durch die Aktionswoche verändert hat.
Die Übungen sind bewusst niedrigschwellig und können an unterschiedliche Altersgruppen angepasst werden.
8. Klassenrat zum Thema Mobbing
Ein regelmäßig stattfindender Klassenrat kann Schülerinnen und Schülern einen festen Rahmen geben, um Probleme des Zusammenlebens anzusprechen.
Dabei können Fragen diskutiert werden wie:
- Fühlen sich alle in der Klasse wohl?
- Gibt es Situationen, in denen jemand ausgeschlossen wird?
- Welche Regeln funktionieren gut?
- Wo entstehen häufig Konflikte?
- Was können wir als Klasse verbessern?
Dabei sollte zwischen normalen Konflikten und Mobbing unterschieden werden. Ein Klassenrat ersetzt keine professionelle Intervention bei einem konkreten Mobbingfall.
9. Buddy-System für neue Schülerinnen und Schüler
Neue Schülerinnen und Schüler können besonders in den ersten Wochen Schwierigkeiten haben, Anschluss zu finden. Ein Buddy-System kann hier präventiv ansetzen.
Ältere oder bereits länger an der Schule befindliche Schülerinnen und Schüler übernehmen freiwillig eine Patenschaft. Sie zeigen beispielsweise den Schulhof, erklären Abläufe und helfen dabei, Kontakte zu knüpfen.
Das Projekt kann gleichzeitig soziale Verantwortung und Gemeinschaftsgefühl fördern.
10. Anti-Mobbing-Theater
Ein Theaterprojekt bietet die Möglichkeit, verschiedene Situationen darzustellen und anschließend gemeinsam zu diskutieren.
Eine Szene könnte beispielsweise damit beginnen, dass ein Schüler regelmäßig von einer Gruppe ausgeschlossen wird. Nach der ersten Aufführung wird die Szene gestoppt. Anschließend überlegen die Zuschauer, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen.
Besonders interessant ist ein interaktives Format, bei dem einzelne Szenen verändert und erneut gespielt werden. Dadurch können verschiedene Reaktionen ausprobiert und anschließend besprochen werden.
11. Podcast-Projekt „Respekt macht Schule“
Eine moderne Projektidee für 2026 ist ein schulischer Podcast.
Kleine Gruppen können Folgen zu unterschiedlichen Themen produzieren:
- Was bedeutet Respekt?
- Was ist eigentlich Mobbing?
- Wie erkenne ich Cybermobbing?
- Was kann ich als Zuschauer tun?
- Wie gehe ich mit Konflikten um?
- Wo bekomme ich Hilfe?
Die Schülerinnen und Schüler übernehmen dabei Recherche, Interviewführung, Moderation und technische Umsetzung. Vor einer Veröffentlichung sollten Inhalte und Datenschutz gemeinsam mit den verantwortlichen Lehrkräften geprüft werden.
12. Elternabend zum Thema Mobbing
Anti-Mobbing-Projekte sollten nicht ausschließlich innerhalb der Klasse stattfinden. Eltern können ebenfalls einbezogen werden.
Ein Elternabend könnte über folgende Themen informieren:
- Unterschiede zwischen Konflikt und Mobbing
- mögliche Warnsignale
- Cybermobbing
- Ansprechpartner in der Schule
- sinnvolle Kommunikation mit betroffenen Kindern
- Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule
Die bpb betont ebenfalls die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Eltern bei Prävention und Intervention.
13. Schulweite Respekt-Aktion
Statt nur eine einzelne Klasse anzusprechen, kann eine Schule eine gemeinsame Respekt-Aktion durchführen.
Denkbar sind beispielsweise:
- eine gemeinsame Schulvereinbarung
- eine Ausstellung
- ein Projekttag
- Schülerinterviews
- eine Theateraufführung
- eine Podcast-Reihe
- eine Woche mit täglichen Impulsen
- ein gemeinsames Wandbild
Wichtig ist, dass die Aktion nicht nach einem Tag vollständig beendet ist. Mobbingprävention sollte als dauerhafte Aufgabe der Schulgemeinschaft verstanden werden. Auch die bpb weist darauf hin, dass Mobbingprävention langfristig im Schulalltag verankert werden sollte.
14. „Gemeinsam Klasse sein“
Schulen können außerdem auf bestehende Präventionsprogramme zurückgreifen. Ein Beispiel ist „Gemeinsam Klasse sein“, das auf die Prävention von Mobbing und Cybermobbing ausgerichtet ist. Das Programm richtet sich insbesondere an weiterführende Schulen und die fünfte Jahrgangsstufe und umfasst mehrere Projekttage sowie einen Elternnachmittag.
Auch im Jahr 2026 wird das Programm beispielsweise in Nordrhein-Westfalen für Schulen vorgestellt und eingesetzt.
Anti-Mobbing-Projekt planen: Darauf kommt es an
Ein gutes Projekt sollte nicht nur eine einmalige Aktion sein. Vor der Planung sollten Schule und Lehrkräfte deshalb einige Fragen klären:
- Welche Altersgruppe soll angesprochen werden?
- Geht es um allgemeine Prävention oder gibt es bereits konkrete Vorfälle?
- Welche Lehrkräfte oder pädagogischen Fachkräfte sind beteiligt?
- Welche Rolle übernehmen Schülerinnen und Schüler?
- Wie werden Eltern einbezogen?
- An wen können sich Betroffene vertraulich wenden?
- Wie wird nach dem Projekt überprüft, ob sich etwas verändert hat?
Bei einem konkreten Mobbingverdacht sollte nicht gewartet werden, bis ein Projekt abgeschlossen ist. Die Schule sollte entsprechend ihrer vorhandenen Strukturen und Schutzkonzepte handeln.
Fazit: Anti-Mobbing-Projekte 2026
Anti-Mobbing-Projekte an Schulen können sehr unterschiedlich gestaltet werden. Von Rollenspielen und Klassenverträgen über Kreativprojekte und Theater bis hin zu Cybermobbing-Workshops und Podcasts gibt es zahlreiche Möglichkeiten.
Besonders wichtig ist die Kombination aus Wissen, sozialem Lernen, klaren Regeln, Zivilcourage und verlässlichen Ansprechpartnern. Eine einzelne Projektwoche kann Aufmerksamkeit schaffen, ersetzt aber keine langfristige Präventionsarbeit.
Die KMK nennt Mobbingprävention und soziales Lernen ausdrücklich als Bestandteile schulischer Prävention. Schulen können daher verschiedene Projekte in ihr bestehendes Schul- und Präventionskonzept integrieren.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kultusministerkonferenz – Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule
- Bundeszentrale für politische Bildung – Mobbing: Gegenmaßnahmen
- Bundeszentrale für politische Bildung – Didaktische Konzeption „Mobbing – bei uns nicht?!“
- Nummer gegen Kummer – Beratung für Kinder und Jugendliche
- Hessisches Kultusministerium – Gewalt- und Mobbingprävention