Mobbing an deutschen Schulen: Die aktuelle Statistik 2026

Mobbing gehört für viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland weiterhin zum Schulalltag. Die neuesten Zahlen aus dem Jahr 2026 zeigen, dass sich die Situation nicht entspannt hat – im Gegenteil: In einigen Bereichen ist sogar eine Verschlechterung zu beobachten. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten aktuellen Statistiken zusammen und ordnet sie ein.

Fast jedes dritte Kind ist betroffen

Die zentrale Zahl stammt aus dem Deutschen Schulbarometer 2025/26 der Robert Bosch Stiftung, das im März 2026 veröffentlicht wurde. Die repräsentative Befragung von forsa umfasste bundesweit 1.507 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil.

Das Ergebnis: Knapp ein Drittel, also 30 Prozent, der 11- bis 17-Jährigen gibt an, im Schuljahr 2024/2025 mindestens einmal im Monat von Mitschülerinnen und Mitschülern schlecht behandelt worden zu sein. Dazu zählen laut der Studie Auslachen, Beschimpfungen, Bedrohungen oder absichtlicher Ausschluss im persönlichen Miteinander und im digitalen Raum sowie das Verbreiten gemeiner Gerüchte.

Besonders auffällig ist der Altersunterschied: 14-Jährige sind mit 38 Prozent besonders häufig betroffen – das ist die am stärksten belastete Altersgruppe. Zur Einordnung: 68 Prozent der Befragten waren im vergangenen Schuljahr gar nicht von Mobbing betroffen.

Zusammenhang mit psychischer Gesundheit

Das Schulbarometer 2026 hat erstmals gezielt nach Mobbingerfahrungen gefragt und diese in den Kontext der allgemeinen psychischen Belastung von Schülerinnen und Schülern gestellt. Die Zahlen sind besorgniserregend: 25 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen gelten als psychisch auffällig oder liegen im Grenzbereich – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 21 Prozent. Zusätzlich berichten 26 Prozent von einer geringen Lebensqualität, und 16 Prozent zeigen ein geringes schulisches Wohlbefinden.

Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland nimmt damit erstmals nach der Corona-Pandemie wieder zu. Besonders betroffen sind dabei junge Menschen aus einkommensschwachen Familien sowie Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Eine weitere Quelle ordnet das Ausmaß ein: Nach Angaben des Deutschen Schulbarometers sind demnach über 3,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland von psychischen Problemen betroffen, wobei Mobbingerfahrungen in engem Zusammenhang mit solchen Belastungen stehen sollen.

Internationale Vergleichszahlen: PISA und HBSC

Neben dem Schulbarometer liefern auch internationale Studien Anhaltspunkte. Die PISA-Studie der OECD kam für das Jahr 2022 zu folgendem Ergebnis: mehr als zwölf Prozent der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland wurden häufig an ihrer Schule gemobbt. Aufgeschlüsselt nach Mobbingform zeigt sich: Acht Prozent aller 15-Jährigen wurden mehrmals im Monat von Mitschülern verspottet, knapp fünf Prozent erlebten es, dass unangenehme Gerüchte über sie verbreitet wurden, und knapp sechs Prozent berichteten von Mobbing mit physischer Gewalt.

Die HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children) aus dem Jahr 2022 kommt zu etwas niedrigeren, aber ähnlich besorgniserregenden Werten: Demnach gaben rund 14 Prozent der 11- bis 15-Jährigen an, direkte Erfahrungen mit klassischem Mobbing in der Schule gemacht zu haben, etwa 7 Prozent berichteten von Cybermobbing-Erfahrungen.

Diese Unterschiede zwischen den Studien erklären sich vor allem durch unterschiedliche Definitionen und Befragungszeiträume – ein Grund, warum Mobbingstatistiken generell mit Vorsicht verglichen werden sollten.

Wo findet Mobbing statt?

Auch wenn digitale Kanäle eine wachsende Rolle spielen, bleibt die Schule selbst der häufigste Tatort. Nach Angaben von Aktion Mensch aus dem Jahr 2025 finden über 80 Prozent der Fälle in der Schule statt, wobei die Mobbenden häufig aus der eigenen Klasse stammen. Gleichzeitig verliert Mobbing im digitalen Raum nicht an Bedeutung: Für rund 15 Prozent der Betroffenen setzt es sich laut HBSC-Studie 2022 online fort.

Betroffene sprechen selten darüber

Ein wiederkehrendes Problem: Kinder und Jugendliche, die in der Schule gemobbt werden, sprechen selten oder gar nicht über ihre Erfahrungen. Das erschwert es Lehrkräften und Eltern, rechtzeitig einzugreifen. Hilfsangebote wie das Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ (116 111) sind zwar bekannt, werden aber offenbar nicht ausreichend genutzt – die Initiative #SagtNichtNichts von Aktion Mensch und „Nummer gegen Kummer“ versucht hier, niedrigschwellige Hilfe sichtbarer zu machen.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

  • 30 Prozent der 11- bis 17-Jährigen erleben mindestens einmal im Monat Mobbing (Deutsches Schulbarometer 2025/26)
  • 38 Prozent der 14-Jährigen sind besonders häufig betroffen – die am stärksten belastete Altersgruppe
  • 25 Prozent aller befragten Schülerinnen und Schüler gelten als psychisch auffällig oder grenzwertig belastet (Anstieg von 21 Prozent im Vorjahr)
  • 12 Prozent der 15-Jährigen wurden laut PISA 2022 häufig gemobbt
  • über 80 Prozent der Mobbingfälle finden laut Aktion Mensch in der Schule selbst statt

Fazit

Die aktuellen Zahlen für 2026 zeichnen ein klares Bild: Mobbing ist an deutschen Schulen kein Randphänomen, sondern betrifft nahezu jedes dritte Kind zwischen 11 und 17 Jahren regelmäßig. Besonders alarmierend ist der enge Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern, die sich laut Schulbarometer erstmals seit der Corona-Pandemie wieder verschlechtert. Prävention, ein gutes Klassenklima und niedrigschwellige Hilfsangebote bleiben daher zentrale Stellschrauben, um Betroffene besser zu schützen.


Quellen:

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