Mobbing an Schweizer Schulen: Die aktuelle Statistik 2026

Die Schweiz gehört im internationalen Vergleich seit Jahren zu den Ländern mit den höchsten Mobbingraten an Schulen. Aktuelle Berichte aus dem Jahr 2026 zeigen, dass sich an dieser Situation wenig geändert hat. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten verfügbaren Statistiken zusammen und ordnet sie ein.

Rund jedes zehnte bis siebte Kind betroffen

Verschiedene aktuelle Quellen aus dem Jahr 2026 beziffern das Ausmaß unterschiedlich, je nach Erhebungszeitraum und Definition. Ein Bericht aus dem Kanton Schwyz vom Mai 2026 verweist darauf, dass rund 13 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Verlauf ihrer Schulzeit Mobbingerfahrungen machen. Andere Einordnungen sprechen davon, dass in der Schweiz jedes zehnte Kind in der Schule gemobbt wird.

Übereinstimmend berichten mehrere Quellen, dass in jeder Schulklasse statistisch gesehen ein bis zwei Kinder betroffen sind – ein Befund, der die Verbreitung des Problems über praktisch alle Schulen hinweg unterstreicht.

Internationaler Vergleich: Schweiz mit besonders hohen Werten

Bei internationalen Vergleichsstudien schneidet die Schweiz regelmäßig schlecht ab. Nach der PISA-Studie 2018 gaben etwa 13 Prozent der befragten 15-Jährigen an, regelmäßig gehänselt zu werden, 11 Prozent berichteten, Opfer von Gerüchten geworden zu sein, und 7 Prozent gaben an, körperliche Angriffe erlebt zu haben. Im Vergleich zu den Nachbarländern fielen die Mobbingraten in der Schweiz dabei als besonders besorgniserregend auf, wobei die Fälle zwischen 2015 und 2018 um mindestens 2 Prozentpunkte zugenommen hatten.

Auch die HBSC-Studie Schweiz aus dem Jahr 2018 bestätigt das Bild: In den Monaten vor der Befragung wurden 12,3 Prozent der 11- bis 15-Jährigen ein- oder mehrmals gemobbt. Im europäischen Ländervergleich weist die Schweiz dabei die höchste Rate an ausschließenden und ausgrenzenden Verhaltensweisen unter Schülerinnen und Schülern auf – dies bei gleichzeitig hoher allgemeiner Lebenszufriedenheit und starkem Zugehörigkeitsgefühl zur Schule, was auf ein gewisses Spannungsfeld zwischen subjektivem Wohlbefinden und konkreten Mobbingerfahrungen hindeutet.

Eine vielzitierte Auswertung ordnete die Schweiz sogar auf den traurigen ersten Platz in Europa ein, gemessen daran, wie viele Schülerinnen und Schüler von eigenen Mobbingerfahrungen berichten.

Gewalt und Diskriminierung unter Gleichaltrigen

Eine Studie zu Gewalt gegen Kinder in der Schweiz zeigt ein noch umfassenderes Bild: Die Schule wird darin als der gefährlichste Ort in Bezug auf psychische und physische Gewalt unter Gleichaltrigen beschrieben. 32 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen erfahren demnach körperliche Gewalt durch Mitschülerinnen und Mitschüler, fast die Hälfte – 43 Prozent – erfährt psychische Gewalt von Gleichaltrigen. Zusätzlich sind 41 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Diskriminierung in irgendeiner Form betroffen, am häufigsten aufgrund des Aussehens.

Cybermobbing als eigenständiges Problemfeld

Auch digitale Formen von Mobbing sind in der Schweiz ein relevantes Thema. Die ZHAW weist in einem Factsheet darauf hin, dass Sexting – das digitale Versenden intimer Bilder oder Texte – das Risiko für Cybermobbing erhöht, etwa wenn Aufnahmen nach einer Trennung aus Rache verbreitet werden. Rechtlich greifen dabei die bestehenden Artikel des Schweizerischen Strafgesetzbuches, etwa zu übler Nachrede, Verleumdung, Beschimpfung oder Drohung. In der schweizerischen Jugendstrafurteilsstatistik zeigt sich seit 1999 ein deutlicher Anstieg bei Verurteilungen wegen Drohungen und Beschimpfungen, was vermutlich auch mit zunehmenden Online-Vorfällen zusammenhängt.

Politische und schulische Reaktionen

Die Problematik hat inzwischen auch die Gesetzgebung erreicht: Im Kanton Wallis wurde der Kampf gegen Mobbing in das Schulgesetz aufgenommen, das sich aktuell in der Vernehmlassung befindet. Auf Schulebene setzen viele Institutionen zunehmend auf Maßnahmen, die auf die Gruppendynamik einwirken, sowie auf regelmäßiges Monitoring, das Lehrpersonen, Schulleitung und weiteres Personal einbezieht. Beobachterinnen und Beobachter mahnen dabei, dass der Einsatz gegen Mobbing eine dauerhafte Aufgabe bleibt und nicht als einmalig abgeschlossen betrachtet werden kann.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

  • 13 Prozent der Schülerinnen und Schüler machen laut aktuellen Berichten während ihrer Schulzeit Mobbingerfahrungen
  • 12,3 Prozent der 11- bis 15-Jährigen wurden laut HBSC-Studie Schweiz innerhalb weniger Monate ein- oder mehrmals gemobbt
  • 43 Prozent der Kinder und Jugendlichen erfahren psychische Gewalt durch Gleichaltrige, 32 Prozent körperliche Gewalt
  • 41 Prozent sind von Diskriminierung in irgendeiner Form betroffen
  • Im europäischen Vergleich weist die Schweiz laut mehreren Studien die höchste Rate an ausgrenzendem Verhalten unter Schülerinnen und Schülern auf

Fazit

Die verfügbaren Daten zeichnen ein konsistentes Bild: Mobbing ist an Schweizer Schulen kein Randphänomen, sondern betrifft statistisch gesehen mehrere Kinder in jeder Klasse. Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz dabei überdurchschnittlich schlecht ab. Auch wenn viele der zugrunde liegenden Studien nicht jährlich aktualisiert werden und daher teils auf älteren Erhebungswellen beruhen, deuten aktuelle Berichte aus dem Jahr 2026 sowie neue gesetzliche Initiativen einzelner Kantone darauf hin, dass das Thema weiterhin hohe Priorität hat.


Quellen:

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