Österreich belegt bei internationalen Vergleichsstudien zum Thema Schulmobbing seit Jahren einen Spitzenplatz – und aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2026 zeigen, dass sich die Lage eher verschärft als entspannt. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Statistiken zusammen: von den langjährigen OECD-Vergleichswerten über die aktuelle TALIS-Studie bis zu den neuesten Beratungszahlen von Rat auf Draht.
Jedes zehnte Kind ist offiziell betroffen
Nach Angaben des Bildungsministeriums ist jedes zehnte Kind beziehungsweise jeder zehnte Jugendliche in österreichischen Schulen Opfer von Mobbing. Das Ministerium definiert Mobbing dabei als aggressives Verhalten, das von einer einzelnen Person oder einer ganzen Gruppe über einen längeren Zeitraum ausgeübt wird, mit dem Ziel, ein oder mehrere schwächere Opfer absichtlich zu schädigen.
Differenzierter fällt eine weitere Erhebung des Ministeriums aus: 35 Prozent der Schülerinnen und Schüler zwischen 13 und 15 Jahren gaben an, in den letzten Monaten zumindest einmal an Mobbing beteiligt gewesen zu sein, wobei die Beteiligung an häufigem Mobbing bei 11 Prozent liegt. Im internationalen Vergleich mit 35 Ländern liegt Österreich damit in allen Altersgruppen im oberen Drittel.
Österreich im OECD-Vergleich an der Spitze
Besonders aussagekräftig sind die Daten der PISA-Studie der OECD, die Österreich regelmäßig einen unrühmlichen Spitzenplatz bescheinigen. Demnach berichten 21,2 Prozent der 11- bis 15-Jährigen von Mobbing-Erfahrungen – ein Wert, der laut mehreren Auswertungen fast doppelt so hoch liegt wie der Durchschnitt der untersuchten Länder. Zum Vergleich: Die niedrigste Mobbingrate unter den erfassten Ländern findet sich in Schweden mit lediglich 4 Prozent.
Die aktuelle TALIS-Studie 2024, eine OECD-Erhebung unter Lehrkräften, bestätigt den Trend aus Sicht der Schulen: Zwar sind Österreichs Lehrerinnen und Lehrer grundsätzlich mit dem Schulklima zufrieden, doch im Vergleich zur Erhebung von 2018 haben Vandalismus, Gewalt und Verhaltensauffälligkeiten zugenommen, wobei Mobbing vor allem an Mittelschulen ein Problem darstellt. Im internationalen Vergleich mit den übrigen 54 teilnehmenden OECD- beziehungsweise 22 EU-Ländern sticht Österreich bei diesen Werten allerdings nicht besonders heraus.
Konkret zeigt die TALIS-Auswertung: Der Anteil der Lehrkräfte, die an Schulen mit regelmäßigem Vandalismus oder Diebstahl arbeiten, ist von knapp zwei Prozent im Jahr 2018 auf neun Prozent gestiegen. Regelmäßige Gewalt unter Schülerinnen und Schülern berichten inzwischen drei Prozent der Lehrkräfte, gegenüber einem Prozent im Jahr 2018.
Rat auf Draht: Beratungen zu Gewalt und Mobbing auf Rekordniveau
Die österreichische Kinder- und Jugendnotrufnummer 147 „Rat auf Draht“ verzeichnete für das Jahr 2025 einen Höchststand bei Beratungen zum Thema Gewalt: Insgesamt wurden 3.217 Beratungsgespräche in dieser Kategorie geführt, ein Anstieg von 9,1 Prozent gegenüber 2024. Umgerechnet melden sich damit täglich rund neun Jugendliche wegen einer Gewalterfahrung.
Innerhalb dieser Statistik zeigt sich ein deutlicher Anstieg bei Cybermobbing, das um 11 Prozent zunahm. Bereits im Jahr zuvor hatten die Beratungszahlen zu Mobbing und psychischer Gewalt in der Schule um 7,7 Prozent zugenommen, Cybermobbing-Beratungen stiegen damals um 7,8 Prozent. Auch die Gesamtzahl der Kontaktaufnahmen bei Rat auf Draht liegt hoch: Im Jahr 2025 gab es rund 40.500 Kontakte von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Cybermobbing als wachsendes Problemfeld
Neben klassischem Mobbing im Schulumfeld gewinnt die digitale Variante zunehmend an Bedeutung. Eine Befragung von Saferinternet.at ergab, dass ein erheblicher Teil der befragten Jugendlichen in Österreich bereits eigene Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht hat. Die oben genannten Zuwachsraten bei Rat auf Draht bestätigen diesen Trend zusätzlich für die jüngste Zeit.
Folgen für Betroffene
Das Bildungsministerium weist ausdrücklich auf die weitreichenden psychosomatischen Folgen von Mobbing hin: Betroffene leiden häufiger unter körperlichen Beschwerden wie Kopf- und Magenschmerzen sowie unter Angstsymptomen und depressiven Verstimmungen. Sowohl Mobbingopfer als auch Täterinnen und Täter weisen zudem ein höheres Suizidrisiko sowie vermehrte Schulprobleme bei Leistung, Fehlzeiten und Einstellung zur Schule auf.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
- 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Österreich gelten laut Bildungsministerium als Mobbingopfer
- 21,2 Prozent der 11- bis 15-Jährigen berichten laut OECD/PISA von Mobbing-Erfahrungen – deutlich über dem internationalen Vergleichswert
- 35 Prozent der 13- bis 15-Jährigen waren zuletzt an Mobbing beteiligt, 11 Prozent an häufigem Mobbing
- +9,1 Prozent Anstieg bei Gewaltberatungen von Rat auf Draht im Jahr 2025 gegenüber 2024
- +11 Prozent Zunahme bei Cybermobbing-Beratungen bei Rat auf Draht im Jahr 2025
Fazit
Die aktuellen Zahlen für 2026 bestätigen ein bekanntes, aber weiterhin ungelöstes Problem: Österreich liegt beim Thema Schulmobbing im internationalen Vergleich seit Jahren an der Spitze. Auch wenn sich manche Werte je nach Erhebung und Definition unterscheiden, zeigen sowohl die Lehrkräftebefragung TALIS 2024 als auch die aktuellen Beratungszahlen von Rat auf Draht dieselbe Richtung: Mobbing und insbesondere Cybermobbing nehmen tendenziell zu. Umso wichtiger bleiben niedrigschwellige Anlaufstellen, Präventionsangebote an Schulen und eine bessere Sensibilisierung von Lehrkräften und Eltern.
Quellen:
- Mobbing – Schulpsychologie, Bundesministerium Bildung
- Mythen und Fakten – Schulpsychologie, Bundesministerium Bildung
- Mobbing an Schulen – Leitfaden für die Schulgemeinschaft (BMB)
- Rat auf Draht: Höchststand bei Gewaltberatungen – vienna.at
- Rat auf Draht verzeichnet deutliche Zunahme bei Beratungen zu Gewalt – vienna.at
- TALIS-Studie: Vandalismus, Gewalt und Mobbing an heimischen Schulen nehmen zu – salzburg24.at